Im Rahmen des siebten Semesters des Studiengangs ISTAB (Internationaler
Studiengang für Technische und Angewandte Biologie), Hochschule Bremen, wurde
2004 von den Studierenden Oliver Birnbach, Matthias Hein und Christian Hetmank
obiges Semesterprojekt unter der Betreuung von Professor Dr. rer. nat. Heiko Brunken
durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet beschränkte sich auf den Bremer Teil der
Schönebecker Aue.
Aus der sehr lesenswerten Arbeit sind einige Ergebnisse zur Problematik des
Schönebecker Mühlenwehrs hier wiedergegeben:
Auszug aus Seite 1:
Das Schönebecker Mühlenwehr stellte sich als unüberwindbares Hindernis
heraus, das effektiv die stromaufgerichtete Wanderung aller Fische und Rundmäuler verhindert, die wiederum
nachgewiesenermaßen in enormer Anzahl unterhalb des Wehres stehen. Die Neuzuwanderung von
Organismen aus dem Wesersystem in das Oberwasser und damit in den kompletten
niedersächsischen Abschnitt der Aue über den Wasserweg stellte sich als unmöglich heraus.
Seite 46:
Schlussfolgerung
Das Artenspektrum der Schönebecker Aue stellte sich als sehr vielseitig heraus und wies dabei viele für
Geestbäche typische Arten auf. Die Dominanzverhältnisse der Arten deuteten dagegen auf die stark
veränderte Morphologie des Baches hin.
Die positive Bestandsentwicklung der Fischfauna über die letzten fünf Jahre und insbesondere der
Nachweis hochspezialisierter und bedrohter Arten deuten darauf hin, dass die Schönebecker Aue ein
Gewässer mit hohem naturschutzrelevanten Potential ist. Gleichzeitig erwies sich dieser Zustand als
insgesamt sehr instabil, da die anspruchsvolleren Charakterarten meist mit relativ geringen Häufigkeiten bzw.
lediglich als Einzelfänge nachgewiesen wurden. Ohne die Durchführung naturschutzorientierter
Maßnahmen kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass dieser positive Trend anhält. Durch
spontane Störungen (z. B. Abwasser-einleitung, Hochwasser) kann aufgrund der instabilen
Lebensgemeinschaft kurzfristig eine Umkehrung dieses Trends eintreten, die dann nicht oder nur sehr
langsam wieder ausgeglichen werden kann. Der über weite Strecken ausgebaute Zustand der Schönebecker
Aue im Bremer Abschnitt bewirkt insgesamt höhere Fließgeschwindigkeiten und damit höhere Hochwässer,
die nach starken Niederschlägen auch schneller eintreten. Dies wiederum bedingt verstärkte Tiefenerosion,
die den Bach immer weiter von seiner Aue trennt und die für spezialisierte Arten wichtige laterale
Durchgängigkeit minimiert. Durch den schnelleren Abfluss verringert sich zudem die Selbstreinigungskraft des
Wassers und begünstigt so Eutrophie. Letztlich wird die Verschiebung der typischen Geestbachfauna zu einer
ubiquistischen „Allerweltsartengemeinschaft“ begünstigt, natürliche Gemeinschaften werden verdrängt und
das Gewässer immer weiter verfremdet.
Der gravierendste verbreitungslimitierende Faktor für die Fische und damit Hauptursache für die
untypische Artenzusammensetzung und für die deutlich unterrepräsentierten Charakterarten ist das
alte Mühlenwehr am Schönebecker Schloss. Dieses Bauwerk verhindert effektiv die stromaufgerichtete
Wanderung aller Fische und Rundmäuler, die den hier gewonnen Ergebnissen zufolge in enormer Anzahl
geradezu „vor dem Wehr sitzend auf das grüne Ampellicht warten“. Die Neuzuwanderung von Organismen
aus dem Wesersystem in das Oberwasser und damit in den kompletten niedersächsischen Abschnitt der Aue
ist in keinster Weise über den Wasserweg möglich, die lineare Durchgängigkeit ist hier nicht gegeben. Den
Ergebnissen zufolge behindern dagegen die langen Tunnelstrecken im Mündungsbereich nicht erkennbar den
Fischaufstieg. Aus diesem Grund sollte schnellstmöglich ein naturnah gestaltetes Umgehungsgerinne nach
neuestem technischen und naturschutzfachlichem Kenntnisstand (DVWK 1996) am Schönebecker Wehr
installiert werden.