Die Norddeutsche (Bremer Tageszeitungen AG) vom 15.07.2006 Freie Bahn für Bachneunauge und Co. Auewasser fließt seit gestern über neuen Fischpass am Schönebecker Schloss/ Umgehung für das Schlosswehr Von unserer Mitarbeiterin Gabriela Keller SCHÖNEBECK. Rotauge, Bachneunauge und Steinbeißer haben wieder freie Bahn. Seit gestern können sie und andere Bewohner der Schönebecker Aue auf dem neuen Fischpass am Schloss ungehindert in Richtung Obenauf wandern. Bau- und Umweltsenator Ronald-Mike Neumeyer eröffnete die neue Umgehungsstraße um das Schönebecker Wehr, das den Fischen bislang den Weg versperrte. Jetzt schlängelt sich die Umleitung einige Meter vor dem Wehr von einer neuen Brücke rund 110 Meter parallel zur Aue durch das Gelände der ehemaligen Wiese und mündet kurz vor der Auebrücke wieder in das alte Bachbett. Damit die Fische den richtigen Weg finden und nicht wieder übers Wehr abstürzen, wurde der ursprüngliche Durchlass zwischen der Landzunge und dem rechten Aueufer geschlossen. Eine neue zehn Meter breite Öffnung der Landzunge bachaufwärts stellt jetzt die Verbindung zum Schlossteich her. Im neuen Fischpass wurden außerdem zwei so genannte Tosbecken angelegt. Das sind verbreiterte Stellen im Bachlauf mit geringerer Strömung und einem höheren Wasserstand. "Fischarten, die nicht gegen die hohe Strömung anschwimmen können, finden hier Ruhe" erklärte Kerstin Kunze. Sie hat als Projektleiterin der Hanseatischen Naturentwicklung GmbH (Haneg), die Bauherrin des Fischpasses ist, die Maßnahme betreut 150000 Euro wurden laut Senator Neumeyer investiert. Der Fischpass ist Teil eines 2001 von der Behörde aufgelegten EU- Projektes zur ,,Anlage von Gewässerrandstreifen und zum naturnahen Gewässerausbau im ländlich geprägten Raum". 40 Prozent der Kosten trägt die EU, 36 Prozent der Bund und 24 Prozent das Land Bremen. Neumeyer erinnerte an die lange Vorgeschichte des Fischpasses. 15 Jahre dauerte es von der Planung bis zur Umsetzung. Es fehlte zunächst an Geld und auch an Grundstücken. Schließlich verkaufen zwei Anlieger aber doch die für den Fischpass notwendige Wiese an den Deichverband am rechten Weserufer. Er unterhält die ,,Umgehungsstraße". Man habe sich rechtzeitig vor dem Verfall der EU-Mittel mit den privaten Grundstückseigentümern einigen können, freute sich Deichhauptmann Dr. Michael Schirmer. ,,Wir werden alles tun, um den Hochwasser-Schutz für die anliegenden Grundstücke zu sichern", versprach er. ,,Riesengroße Freude"  empfand Peter Krauß, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz. ,,Nach Jahrhunderten ist die Schönebecker Aue wieder durchlässig." Die Bachstruktur sei dadurch entscheidend verbessert worden. Was vor einigen Jahren mit der Öffnung der Auemündung und der Beleuchtung unter dem Vegesacker Bahnhofsvorplatz begonnen habe, finde nun mit dem Fischpass eine wichtige Ergänzung. ,,Bremen hat seine Hausaufgaben hervorragend gemacht",  Niedersachsen müsse nun nachziehen, meint der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft. Zwei Sohlabstürze in der Aue behinderten auf niedersächsischem Gebiet die Wanderung der Fische. Dieser ,,Eiserne Vorhang" müsse fallen, damit die Fische zukünftig in der gesamten Schönebecker Aue frei Bahn haben.