Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Natur Unzählige Wünsche soll mir mein Garten erfüllen: - er soll mein Haus in einen schönen Rahmen stellen - er soll mein Anwesen abgrenzen und einbinden - er soll repräsentieren - er soll mich gegen Hektik, Lärm, und neugierige Blicke abschirmen - er soll meinen Kindern und mir Platz zum Spielen bieten Ruhe und Entspannung gewähren - er soll Schatten spenden und ein Sonnenbad ermöglichen - er soll Raum zum Grillen und für die Gartenparty bieten - er soll pflegeleicht sein und mir das körperliche Ausarbeiten ermöglichen - er soll herrlich bunt sein und mein Herz erfreuen - er soll Obst und Gemüse zum Naschen produzieren - er soll Experimentierfeld für Pflanzenversuche sein:   Wie sieht ein gelbblühender Garten aus?   In diesem Jahr mal nur Glockenblumen?   Wie geht das mit dem Aufpfropfen? - er soll wildlebenden Tieren und Pflanzen Heimat sein - er soll einen Teich und Trockenrasen haben - er soll --- Und das alles zumeist auf engstem Raum und möglichst alles zur gleichen Zeit! Wir müssen uns einfach auf das für uns Wesentliche beschränken! Doch nicht leicht ist es, dieses ,,Wesentliche" zu erkennen und für uns und für jeden Garten wieder individuell zu entscheiden. Der Mode ist unser Garten ebenso unterworfen wie unserem persönlichen Geschmack und den Anregungen der Gartencenter und Fachzeitschriften. Wir sollten den Garten auch als Teil der uns umgebenden Natur begreifen. Mein Garten ist mein Eigentum! Mein Garten ist Teil der Natur! Jedermann hat das Recht, sein Eigentum eigenen Wünschen und Vorstellungen entsprechend zu gestalten. ABER: Felder, Wiesen Wälder, Gewässer, Berge und eben unsere Gärten sind die Basis der Natur, auf der sie sich entfalten kann. Dabei nehmen hier unsere Gärten einen zunehmend wichtigen Anteil ein. Sie sind für die Natur von immer größerer Bedeutung, weil gerade in unserer Gemeinde ihr Anteil an der Gesamtfläche stark zunimmt und weil landwirtschaftliche Flächen heute immer intensiver genutzt werden. Wir können auch nicht von der Land- und Forstwirtschaft erwarten, die Natur zu erhalten, wenn wir in unseren Gärten nicht selbst einen Beitrag dazu leisten! Das bedeutet ja nicht, dass nun etwa ungeordnete Wildnis angesagt ist. Natur entfaltet sich auch im Gemüse- und Obstgarten, auf dem Tulpenbeet und im Vorgarten - wenn sie denn nach den Prinzipien, den Vorgaben von Mutter Natur gestaltet sind. Von Bedeutung ist dieses: Wir müssen unsere Gärten als Teil der Natur begreifen und sie mit anderen Augen sehen, die toleranter sind und sich auch an Dingen erfreuen, die wir gestalterisch so nicht vorgegeben haben. Freuen wir uns über den Igel, der sich Schnecken und Obst holt, den Frosch, der unseren Teich als Laichplatz nutzt, den Dompfaff, der von der Pusteblume nascht, die Buschwindröschen, die sich von allein eingestellt haben oder die herrlich blühenden „Unkräuter“ wie das wertvolle Schöllkraut unter der Hecke. Anregungen für mehr Natur im Garten Mehr genießen als pflegen und arbeiten! Beete, Wege, Rasen und Ecken dürfen auch mal Kräuter und trockenes Laub tragen. Nicht überall muss alles sauber und gestriegelt sein. In den Ecken dürfen Steine, Brombeeren, Baumstubben und Wildkräuter, z.B. Brennesseln (für Schmetterlingsraupen) und Melde, mehr oder weniger umfangreiche ,,Räuberecken" bilden. Ein Komposthaufen gehört in jeden Garten als Einbindung in den Kreislauf der Natur. Rasenschnitt und Laub mulchen den offenen Boden. Dort finden Vögel und Kleintiere Nahrung und Versteck. Die Mulchschicht erhält Bäumen, Sträuchern und Stauden die Feuchtigkeit, unterdrückt "Unkraut" und düngt den Boden. Wählen Sie möglichst einheimische oder wenig anfällige, standortgerechte Pflanzen, damit wir im Garten überhaupt kein Gift mehr einsetzen müssen. Verzichten Sie am besten auf chemische Pflanzenschutzmittel, denn Sie müssen vom Ertrag Ihres Gartens nicht leben. Mischhecken aus verschiedenen standortgerechten Sträuchern schirmen Ihren Garten ab und bieten Lebensraum für einheimische Insekten, Vögel, Säugetiere und Reptilien. Unser Garten soll auch Wohnraum für möglichst viele Tiere sein. Stellen Sie Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Ohrwürmer zur Verfügung (Ohrwürmer vertilgen Insekten!), geben Sie dem Igel Überwinterungsecken und Verbindungswege durch die Zäune, freuen Sie sich über die vielen unterschiedlichen Tiere in Stein- und Holzhaufen. Legen Sie einen Teich an und möglichst auch einen ungedüngten Steingarten mit einer Trockenmauer und blühenden Küchenkräutern. Eine Fassadenbegrünung sieht gut aus, schafft Lebensraum für Tiere und isoliert Ihr Haus gegen Hitze und Kälte und erspart Energie. Begrünte Flachdächer haben den gleichen Effekt und sind pflegeleicht. Eine Totholzhecke aus alten Ästen und Zweigen ist ein idealer Lebensraum für Insekten, Igel und Vögel. Legen Sie "lebendige Wege" an mit Rasengittersteinen, Naturpflaster oder Rindenmulch (Verbesserungen des Klimas, Belüftung des Bodens, Bodenbelebung durch Mikroorganismen und dadurch bessere Fruchtbarkeit). Übrigens - nicht nur Pflanzen und Tiere werden Ihnen dankbar sein für mehr Natur. Auch Kinder und Enkelkinder sind viel glücklicher im naturnahen Garten! Wissen Sie, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen der Fruchtbarkeit Ihrer Obstbäume und einem blühenden Feldrain? Ganz wesentlich sind Wildbienen und Hummeln an der Bestäubung unserer Obstbäume beteiligt. Sie finden einen zeitweise sehr reich gedeckten Tisch z. B. in den blühenden Rapsfeldern. Doch wenn der Raps ausgeblüht hat, sind sie auf andere Blüten angewiesen. Früher fanden sie die auf den Ackerrandstreifen. Dort blüht aber heute kaum noch etwas. Das Ergebnis: Wildbienen und Hummeln und ihre Brut müssen verhungern. Sie fehlen, wenn unsere Obstbäume und Gartenpflanzen bestäubt werden müssen. Lassen wir doch den Weißklee im Rasen blühen, den Weiß- und Schwarzdorn in der Hecke und viele verschiedene Stauden auf dem bunten, für Mensch und Tier reizvollen Staudenbeet! Praktische Tipps - Anschriften Einige dieser Maßnahmen, z.B. bestimmte Teichgrößen oder Fassadenbegrünung sind baugenehmigungspflichtig. Hierzu fragen Sie bitte Ihren Landkreis Osterholz, Tel. 04791/930260 oder 930253 oder Ihre Gemeinde Tel. 7461 Broschüren erhältlich beim NABU Naturschutzbund Deutschland e.V. Herbert-Rabius-Str. 26, 53225 Bonn „Naturschutz ums Haus", „Heimische Sträucher“ Gartenberatung: Frau Antje Manek Tel. 04209-1527 Biologische Station Osterholz (BIOS) Tel. 04791-89517 Mustergarten: Privatgarten "Landmark", Schwachhauser Ring 19, 28213 Bremen. Er ist ein 300 qm großer Hausgarten eines Gartenarchitekten mit vielfältiger Gestaltung und Nutzung auf kleiner Fläche. Ganzjährig geöffnet, Anmeldung erbeten unter Tel. 0421-217397, Führung kostenlos. Verantwortlich: Agenda21-Gruppe Landwirtschaft und Natur in Schwanewede Peter Krauß An alle Gartenbesitzer in der Gemeinde Schwanewede ...denn wer schlau ist ändert seine Welt