Jahresbericht über die Arbeit der AGBS im Jahr 2011
Das beherrschende Thema dieses Jahres war sicherlich der Bebauungsplan für den „Wohnpark Löhnhorst“. Zu
unserer großen Überraschung hat der Ortsrat Löhnhorst entgegen des Löhnhorster „Leitbildes für einen
Ortsentwicklungsplan“ beschlossen, den Flächennutzungsplan für den „Wohnpark Löhnhorst“ zu ändern, um dort mit 70
Wohneinheiten ein großflächiges Neubaugebiet zu erschließen. Eine von der AGBS initiierte Unterschriftenaktion ergab
525 Gegenstimmen, die dem Bürgermeister von Schwanewede offiziell übergeben wurden. Die AGBS nahm an Sitzungen
zur frühen Bürgerbeteilung in Schwanewede und Löhnhorst teil und gab ein Gutachten über die Auswirkungen des
geplanten Wohnparks Löhnhorst auf die angrenzende Orchideenwiese in Auftrag, das ebenfalls offiziell dem
Schwaneweder Bürgermeister übergeben wurde. Wir hoffen, dass die Proteste der AGBS sowie großer Teile der
Bevölkerung doch noch zu einem Umdenken der politischen Entscheidungsträger führen werden.
An anderer Stelle konnte ein beachtlicher Eingriff in die Natur leider nicht mehr abgewendet werden: Eine wunderschöne
Eichenallee wurde am Mühlenweg in Leuchtenburg gefällt. Sie war am Straßenrand auf der Nordseite des Feldes
herangewachsen, konnte dieses daher nicht beeinträchtigen. Trotzdem fällte Herr Solte die schon großen, kräftigen Bäume.
Der von uns informierte Landkreis verhängte die Strafe, neue Eichen zu pflanzen, was aber bis heute nicht geschehen ist.
Das altersbedingte Absterben eines eindrucksvollen Baumes ist dagegen am Schönebecker Schloss zu beobachten: die
markante, über viele Jahrhunderte gewachsene Eiche zwischen Schönebecker Schloss und Schlosskate stirbt
langsam ab, sie hatte 2011 nur noch wenige Blätter. Die AGBS ist allerdings der Auffassung, dass ein eindrucksvoller
Baum wie dieser erhaltenswert ist, weil auch er das Bild dieses historischen Ortes prägt. Unser Vorschlag, einen einfachen
Zaun zu spenden, um Gefährdungen zu vermeiden, stieß aber weder beim Heimat- und Museumsverein noch beim
Umweltbetrieb Bremen auf Zustimmung. Da der Baum noch standfest ist, hoffen wir, dass er noch viele Jahre erhalten
bleibt - auch als Lebensraum für Spechte & Co.
Viele langjährige Aktivitäten der AGBS entwickelten sich in 2011 weiter positiv. Erfreulicherweise haben sich die
Landwirte Herr Havemeyer und Herr Schöne bei der Anlage von Ackerrandstreifen in Brundorf erneut sehr
aufgeschlossen und kooperativ gezeigt. Die nun bereits im vierten Jahr durchgeführte Maßnahme hat inzwischen nicht nur
Nachahmer am Weyerberg, sondern auch großes Interesse beim Kreislandwirt, der Kreisjägerschaft und dem Imkerverein
Teufelsmoor gefunden. Wir hoffen sehr, dass es uns gelingt, weitere Landwirte für die Anlage von Blühstreifen zu gewinnen.
Die alljährliche, von der AGBS gemeinsam mit den Anwohnern des Holthorster Wegs in Leuchtenburg betreute
Krötenwanderung zeigte auch in 2011, wie sinnvoll die nächtliche Sperrung der Straße in den Frühlingswochen ist. Bei
optimalen Bedingungen ließen sich allein in einer Nacht weit über 100 Kröten und andere Amphibien bei ihrer Nacht-
wanderung beobachten. Ein eindrucksvolles Schauspiel, das man mit Taschenlampe ausgerüstet im März/April beobachten
kann.
Eine sehr schöne Exkursion hatte der Arbeitsausschuss für alle Interessierten im Frühling organisiert, bei der uns
Förster Wiedenroth durch das Waldgebiet Elm führte. Er zeigte uns beeindruckende Ergebnisse seines neuzeitlichen
Waldbaues, bei dem er weitgehend freie Hand hat für ökologisch sinnvolle Maßnahmen wie z.B. zur Renaturierung von
Mooren, Feuchtgebieten und anderen nicht nur „produktiven“ Waldgebieten.
Ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt, ist die recht unbefriedigende Praxis der Ausgleichsmaßnahmen, die für
Eingriffe in die Natur zu erfolgen haben. Nachdem unsere Bemühungen um eine sachgerechtere gesetzliche Regelung von
Ausgleichsmaßnahmen immerhin dazu geführt haben, dass die Problematik im Niedersächsischen Landtag positiv
behandelt wurde, suchen wir nach wie vor auch nach anderen Lösungswegen bei diesem komplexen Thema. Möglichkeiten
könnten sich dabei im Rahmen von Modellen wie der Flächenagentur Wesermarsch oder dem neu gegründeten
Ausgleichspool der Gemeinde Grasberg ergeben.
Von großer Bedeutung ist die gute Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzverbänden, denn viele wichtige
Renaturierungsvorhaben oder Projekte lassen sich nur durch eine zielgerichtete Kooperation verwirklichen. Ein
wesentlicher Tätigkeitsschwerpunkt, bei dem dies von Bedeutung sein wird, ist die Zukunft des Truppenübungsplatzes in
Schwanewede. Auf dem 480 ha großen Gelände befinden sich wertvolle Landschaftsteile, u.a. Magerrasenflächen und
Feuchtbiotope. Die Naturschutzverbände haben in einer gemeinsamen Resolution (kann beim Arbeitsausschuss
angefordert werden) vorgeschlagen, das unbebaute Gelände in die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu überführen,
damit in Ruhe geprüft werden kann, wo aus fachlicher Sicht ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werden sollte. Drei
Mitglieder des Arbeitsausschusses werden am 10.2. mit dem Gemeinderat das Gelände besichtigen.
Daneben wird in 2012 ein Kooperationsprojekt mit dem NABU Schwanewede und der Bios (Biologische Station
Osterholz) auf der Agenda stehen, bei dem Renaturierungsvorschläge für die Blumenthaler Aue erarbeitet werden sollen.
Bereits in 2011 startete ein Gemeinschaftsprojekt von AGBS und dem Verein Ökolo-giestation: „Urwaldkinder gestalten
die Zukunft“. Das von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung finanziell unterstützte Projekt kommt Kinder-
gartengruppen aus Schwanewede und Ritterhude zugute.
In der Roten Mappe des Niedersächsischen Heimatbundes konnten wir erneut in einem längeren, mit Bildern versehenen
Beitrag unsere Forderung zum Umbau von zwei Sohlabstürzen in Sohlgleiten in der Schönebecker Aue platzieren.
Daneben pflegen wir eine gute Zusammenarbeit mit der KNV (Koordinationsstelle für naturschutzfachliche
Verbandsbeteiligung). Die KNV übernimmt für uns äußerst kompetent das Mitspracherecht bei geplanten Eingriffen in
Landschaft und Natur, wozu wir zwar gefragt werden, zu denen wir aber kaum im erforderlichen Umfang und mit dem
erforderlichen Fachwissen Stellung beziehen können. Leider wurde im letzten Jahr die Möglichkeit zur Stellungnahme
dadurch stark beschnitten, dass uns nur noch wenige Eingriffe angezeigt werden.
Eine wichtige Voraussetzung für die Fortsetzung unserer Arbeit hat uns das Finanzamt Osterholz-Scharmbeck mitgeteilt:
mit Bescheid vom 18.08.2011 wurde erneut die Gemeinnützigkeit des Vereins anerkannt. Wie bisher sind
Mitgliedsbeiträge und Zuwendungen an den Verein steuerlich absetzbar.
Schwanewede, im Februar 2011
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