Die Wiederansiedlung der Nachtigall
in den Gärten und Parks von Bremen-Nord
Eine Aktion der AGBS
Liebe Garten- und Naturfreunde in Bremen-Nord und umzu, wie kaum ein anderer
Vogel ist uns die Nachtigall aus zahlreichen Liedern, Gedichten und Erzählungen
bekannt. Ihr abwechslungsreicher, melancholisch klingender Gesang gehört zu dem
Erhabensten, was die Natur an Vogelgesängen kennt.
Wenn man die erste Nachtigall hört, ist der Frühling gekommen; kein Wunder, dass
zahlreiche Frühlingslieder die Nachtigall erwähnen.
Wer zum ersten Mal die legendäre Sängerin im Gebüsch oder Baum entdeckt, ist
vielleicht enttäuscht von ihrem schlichten Aussehen. Männchen und Weibchen sind
bräunlich gefärbt, nur die Unterseite ist graubraun und geht an Kehle und Bauch in
grauweiß über. Der rostrote Schwanz fällt vor allem im Flug auf.
Die Jungvögel sind oberseits hell gefleckt, an der Unterseite haben sie helle Säume; sie
ähneln jungen Gartenrotschwänzen oder jungen Rotkehlchen.
Die Nachtigall bewegt sich am Boden hüpfend fort, ähnlich einem Rotkehlchen. Der
Schwanz wird oft angehoben getragen und immer wieder langsam auf und ab bewegt. Ihr Flug ist leicht und schnell, zum Ruhen
und Schlafen hält sie sich versteckt im Schutz der Sträucher auf.
Während früher die Nachtigall in der Nähe des Siedlungsbereiches brütete und zum Alltag der Menschen gehörte, ist sie heute
für viele nur noch Symbolträger für einen wunderschönen klaren Gesang, den kaum noch jemand kennt. Unser „modernes“
Wohnumfeld bietet zu wenig Brutmöglichkeiten für den Vogel, der auf dichtes Unterholz und eine schützende
Falllaubschicht angewiesen ist - „gepflegte“ Parkanlagen, Friedhöfe und Gärten sind uninteressant für die Nachtigall.
Das Verschwinden der Nachtigall aus unserem direkten Umfeld sollte uns lehren, unser Schönheitsideal von Parkanlagen,
Friedhöfen und Gärten zu überdenken.
Die wichtigsten Lebensräume der Nachtigall sind heute unterholzreiche Laub-, Laubmisch- und Auwälder sowie Feldgehölze
und Hecken, wie sie in unserer Nähe zum Beispiel noch im Werderland zu finden sind; hier kann das Ohr, das hören mag, noch
regelmäßig den Gesang der Nachtigall vor allem in den Bruchwäldern bei Mittelsbüren und außendeichs am alten Spiegelschen
Hof vernehmen.
Das ideale Revier der Nachtigall wird im Wesentlichen durch die Vegetationsstruktur des Geländes definiert: Reicher
Unterwuchs und eine Bodenschicht aus vorjährigem, zum Teil verrotteten Laub müssen vorhanden sein, damit sich
eine Nachtigall ansiedelt. Der Unterwuchs kann aus dicht schließendem Gebüsch, Hecken oder jungem Baumaufwuchs
mit einer dichten Kraut- und Staudenschicht bestehen, eine Vegetation, die der Nachtigall Nahrung,
Versteckmöglichkeiten und einen schattigen Platz für ihr bodennahes Nest bietet. Die Nachtigall reagiert während der
Brutzeit sehr empfindlich auf Störungen von außen, so daß z.B. freilaufende Hunde oder Katzen in der Regel dazu führen, daß
die Nachtigall wieder Reißaus nimmt.
Leider gibt es immer weniger Parks und Gärten, die einen strukturreichen Strauch- und Baumbestand und damit gute
Voraussetzungen für eine artenreiche Flora und Fauna bieten. Gerade diejenigen Areale, die durch den Menschen gar nicht
oder kaum genutzt werden, werden zu Nischen für Wildpflanzen und Tiere, insbesondere für Vögel. Gleichförmige,
strukturschwache Anlagen die in der gesamten Fläche nach menschlichem Ordnungssinn gepflegt werden, bietet nur wenigen
Tieren einen geigneten Lebensraum. Einer der Gründe hierfür ist der Mangel an Nahrungsquellen, der durch die Bepflanzung
mit Koniferen und anderen nicht heimischen Pflanzen entsteht; doch es fehlt auch an Nistmöglichkeiten, weil Falllaub-, Strauch-
und Kräuterschichten der menschlichen Ordnungsliebe zum Opfer fallen.
Aus diesen Gründen möchte die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz alle diejenigen, die das heutzutage nicht mehr
selbstverständliche Glück haben, ein Stück Natur zu besitzen und zu bearbeiten, aufrufen, ihren Garten als möglichen
Lebensraum und Refugium für eine Vielzahl von bedrohten Pflanzen und Tieren, so auch der Nachtigall, zu verstehen
und zu gestalten. Wir müssen abkehren von der Ordnung in unseren Parkanlagen und Gärten, die mit der Ordnung in
der Natur oft nichts gemeinsam hat.
Das schreckliche Szenario eines „stummen“ Frühlings ist zum Teil leider schon Wirklichkeit geworden - und das nicht nur weil
die Nachtigall fehlt, sondern weil auch andere Singvögel immer mehr von der schleichenden Lebensraumvernichtung betroffen
sind.
Helfen Sie der Natur, indem Sie sie in Ruhe lassen - richten Sie in Ihrem Garten eine Ecke ein, wo Leinkraut,
Brennesseln oder auch Brombeerbüsche nach Belieben wuchern dürfen , wo das Laub liegen bleiben kann und wo
Holunder- oder Schlehensträucher für ein undurchdringliches Dickicht sorgen.
Wenn Sie sich nach diesen Informationen für eine naturnahe Gestaltung Ihres Gartens interessieren, die Ihnen vielleicht das
Lied der Nachtigall oder anderer Vögel wieder in die Nähe Ihres Hauses bringt, können Sie sich mit Ihren Fragen gern an die
Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz
(Tel 627171 oder 6395786) wenden.
Dr. Hagen Schmidtmann