Aus: Die Norddeutsche (Bremer Tageszeitungen AG) vom 31.08.2011
Elektrobefischung der Aue
Biologen überprüfen Renaturierung
VON RALF VON DER FECHT
Schönebeck. „Das 2006 gebaute Gerinne am Schönebecker Schlosswehr funktioniert", zog Matthias Hein ein erstes Fazit.
Der Diplomumweltbiologe und sein Assistent Jesus Fernandez vom internationalen Studiengang für angewandte Biologie im
Bereich Umweltbiologie (IStaB) der Hoch- schule Bremen führten an der Schönebecker Auebrücke eine Elektrobefischung
durch und waren mit dem Artenreichtum sehr zufrieden. Doch ein kleiner
Wehrmutstropfen blieb. Denn Matthias Hein beobachtete tags zuvor, dass
etwa zwei Drittel Wasser über das Schönebecker Schlosswehr und nur ein
Drittel über die Gerinnung (eine Art Fischtreppe) abläuft. „Wenn das genau
umgekehrt verlaufen würde, wäre es ein Quantensprung zur Verbesserung
der Ökologie der Aue", so Matthias Hein. Der Verein Ökologiestation hatte
interessierte Bürger eingeladen, die Aktion an der Schönebecker
Auebrücke zu verfolgen. Etwa 20 Anwohner nahmen das kostenlose
Angebot gerne an und verfolgten das Geschehen.
Der Student Jesus Fernandez spannte vor der Elektrobefischung ein Netz
an der Auebrücke. So war sichergestellt, dass kein Fisch entkommt. Dann
stieg er mit Matthias Hein 100 Meter vor der Brücke in die Aue und die
Befischung begann.
Die Zuschauer waren erstaunt, wie vielfältig das Fischvorkommen in der
Aue ist und wie groß die gefangenen Fische waren. Ein 46 Zentimeter
langer und gut genährter Hecht warder größte Fang. Am zahlreichsten
gingen die Rotaugen in den Kescher. Sie waren zwischen drei und 25
Zentimeter lang. Weiter wurden Flussbarsch, Aland, Gründling, Hasel, Aal,
westlicher Stichling und Döbel gefangen und vermessen. Besonders der Döbel (Leuciscus cephalus) hatte es Matthias Hein
angetan. „ Das hatte ich erhofft, ein weiteres Indiz, dass die Renaturierung von Erfolg gekrönt ist", erklärte er sichtlich erfreut.
Von den fünf Stufen, die einst unüberwindbare Hindernisse für die Fische darstellten, sind seit 2000 drei renaturiert worden.
Zwei weitere Sohlabstürze im Oberlauf der Aue müssen noch in sogenannte Sohlgleiten umgebaut werden, damit sie auch für
weitere bachtypische Fische wie Forellen überwindbar werden. Insgesamt wurden 202 Fische gefangen.
Grundsätzlich ist Elektrobefischung streng verboten. Nur nach vorheriger behördlicher Anmeldung ist sie erlaubt und das
ausschließlich zum Zwecke der Forschung. Das Fanggerät lässt sich zwischen 500 und 600 Volt sowie fünf bis 20 Ampere
einstellen. Nur wer eine zweiwöchige Ausbildung zum Elektrofischen bestanden hat, ist überhaupt berechtigt, mit dem Gerät
zu arbeiten. „ Beim der Elektrobefischung werden die Fische nur für kurze Zeit betäubt, nehmen dabei aber keinen Schaden",
versicherte Matthias Hein.
Weitere Informationen zum Fischpass am Schönebecker Schloss:
Aue-Gutachten der Hochschule Bremen2004 vor dem Bau des Fischpasses
Fischpass - Lageplan aus der Genehmigungsplanung der Hanseatischen Naturentwicklung GmbH (haneg)
Einweihung des Fischpasses 2006
Informationstafel der AGBS am Fischpass
Überblick: Durchgängigkeit der Schönebecker Aue